Gedanken zum Aquarell

Das Aquarellieren, die älteste uns bekannte Malweise ist auch die subtilste.
"Alla Prima"  muss jeder Pinselstrich, jeder Farbfleck sitzen, um die scheinbar so spielerische Wasserfarbmalerei zum Ausdruck von Spontanität werden zu lassen. Dürer brachte die Aquarelltechnik zu neuer Bedeutung. Unser Jahrhundert wurde zu einer Blütezeit des Aquarells. Gleichzeitig entsteht es bei  Klee, Nolde, Macke,  Munch, Chagall neben dem Ölbild.
Delacroix, Cézanne und Van Gogh haben den Zauber der Wasserfarbentechnik individuell variierend erweitert und haben das Aquarell vom Gelegenheitsblatt im Künstlertagebuch, der Reisenotiz in einen eigenen "Klangraum" hinübergeführt, wo es allein die Stimme hält.

Nach Hundertwasser:

" Kunst sollte ein Platz der Andacht sein, ein Ort der Erbauung , des Friedens. Kunst soll Werte aufbauen nicht zerstören. Kunst ist eine Kraft, die heute mehr denn je wirken könnte. Sie vermöchte etwas von der Sehnsucht zu spiegeln, die hinter den Dingen sucht, nach dem Schauen, dass  wieder Natur und Schönheit vertrauen lehrt. Vielleicht hat gerade eben dazu die so sensible Kunst des Aquarells mit ihrer besonderen Eigenart, mit ihrem Andeuten und Erahnen dem 'Spürbar-werden-lassen' des Bleibenden hinter dem Flüchtigen ihren Beitrag leisten."
 

Wir die Betrachter von Bildern müssen uns immer wieder erinnern, dass die Malerei eine Zauberschrift ist, die mit farbigen Klecksen eine innere Vision der rätselhaften wundervollen Welt um uns übermittelt, dass Malen etwas mit Denken , Träumen und Dichten zu tun hat, dass die Kunst der Farben die gleiche Kraft haben kann, wie die Kunst der Töne.

In diesem Sinne wünsche ich ihnen einen freudigen virtuellen 'Rundgang' durch meine Bildergalerie und tiefe Empfindungen beim Erleben der Poesie.

Lilo Gerstenberg